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Startseite >> Aufgefallen >> Aufgefallen 27. April 2026 - Orly Noy zum israelischen Holocaust-Gedenktag
Ein Staat, der Völkermord begeht, kann nicht behaupten, den Holocaust zu ehren.
Jede Zeremonie, die er in dessen Namen abhält, entweiht das Andenken an die Opfer.
Von Orly Noy, 13. April 2026
Original: www.972mag.com/stand-israel-holocaust-remembrance-siren/

Die Menschen stehen in Tel Aviv still, während in ganz Israel während zwei Minuten eine Sirene ertönt. Das Bild ist vom Holocaust-Gedenktag vom 24. April 2025. (Miriam Alster/Flash90)
Morgen werde ich zum ersten Mal seit meiner Einwanderung nach Israel im Alter von neun Jahren am israelischen Holocaust-Gedenktag beim Ertönen der Sirene nicht still stehen.
Im ganzen Land ertönt an diesem Tag jedes Jahr eine zweiminütige Sirene, die den Verkehr zum Stillstand bringt und die Menschen in stille Andacht versetzt. Aus Ehrfurcht vor den Opfern der schrecklichsten Tragödie in der jüdischen Geschichte kann ich aber an diesen staatlichen Ritualen nicht länger teilnehmen. Ich weigere mich, an Zeremonien teilzunehmen, die von einem Staat durchgeführt werden, der zu einem Reich des Todes geworden ist – einem Staat, dessen gesamtes Wesen das Andenken an die Opfer entweiht, die er angeblich ehrt.
Seit Jahren stehe ich nicht mehr still für das gleiche Sirenen Ritual am israelischen Gedenktag, der in der Woche nach dem Holocaust-Gedenktag stattfindet, um gefallene Soldaten zu ehren. Das ist kein Akt des Protests von mir, zumindest nicht nach außen hin – ich achte einfach darauf, nicht in der Öffentlichkeit zu sein, wenn die Sirene ertönt, damit ich nicht an einer der endlosen Manifestationen von Israels militaristischem Kult des Todes und der Trauer teilnehmen muss. Die Lieder des Gedenktags rufen in mir nur tiefe Angst und Entfremdung hervor. Die Verehrung des Todes, und besonders der Toten in Uniform, beunruhigt mich zutiefst.
Aber der Holocaust-Gedenktag fühlte sich immer anders an. An diesem Tag schien es mir, als würde die Menschheit selbst ihr Haupt in Scham über eine fast unerträgliche Verantwortung neigen, die Sirene als Klang ihres Schreis.

Menschen gehen an einer Projektion auf den Mauern der Altstadt von Jerusalem vorbei, die den Holocaust-Gedenktag markiert und einen gelben Stern sowie Gedenkkerzen zu Ehren der sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden zeigt, 13. April 2026. (Yonatan Sindel/Flash90)
Mir ist schon lange klar, dass die Erinnerung an den Holocaust, was Israel betrifft, nichts weiter ist als ein Manipulationsinstrument, das es dem Land ermöglicht, unbegrenzte Straffreiheit einzufordern. Ich habe beobachtet, wie Israel Antisemiten und Kriegsverbrecher in Yad Vashem, dem staatlichen Holocaust-Museum, empfing, nur um kurz darauf lukrative Waffenverträge mit ihnen abzuschließen. Gleichzeitig beruft es sich auf den Holocaust, um jede Kritik an seinen Verbrechen brutal zum Schweigen zu bringen.
Und doch gelang es mir, den Holocaust-Gedenktag in meinen Gedanken von diesen Manipulationen zu trennen. Vielleicht, weil er einem emotionalen, menschlichen Bedürfnis entsprach, an der kollektiven Trauer teilzuhaben, wenn auch nur für einen Tag im Jahr. Vielleicht, weil das Ausmaß des Grauens zu gewaltig ist, um sich ihm allein zu stellen, und wir nach Ritualen greifen, die uns dies ermöglichen.
Aber nach mehr als zweieinhalb Jahren Völkermord in Gaza, der systematischen und kalkulierten Auslöschung von Zehntausenden Menschen und der bewussten Aushungerung von Babys – durchgeführt mit dreister Unverfrorenheit, unverhohlener Freude, ja sogar Stolz – kann ich mich nicht mehr von dieser Trennung überzeugen. Ein Staat, der Völkermord begeht, kann den Holocaust nicht sinnvoll gedenken. Jede Zeremonie, die er in dessen Namen abhält, entweiht das Andenken an die Opfer.
In einem Land, das ethnische Vorherrschaft zur offiziellen Politik gemacht hat, steht eine solche Sirene nicht mehr für Trauer. In einem Land ohne Scham und Ethik – wo Avraham Zarviv, ein Rabbiner und Bulldozerfahrer, dessen Ruhm auf der unvorstellbaren Zerstörung beruht, die er in Gaza angerichtet hat, bei Israels offizieller Feier zum Unabhängigkeitstag eine Fackel entzünden wird – ist die Sirene ein Klang ohne Inhalt, ein bloßes Ritual. Oder schlimmer noch: Sie ist Teil einer gut geölten Maschine, die den Holocaust in ein Propagandainstrument verwandelt hat, das dazu dient, die verabscheuungswürdigsten Verbrechen zu rechtfertigen. Sie ist in Wirklichkeit nichts weiter als ein Schlachtruf.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nimmt an einer Zeremonie im Yad Vashem Holocaust-Gedenkmuseum in Jerusalem teil, während Israel am 24. April 2025 den jährlichen Holocaust-Gedenktag begeht. (Shalev Shalom/POOL)
Das Wesen der antisemitischen Ideologie ist der Glaube, dass Juden außerhalb der Grenzen der Menschlichkeit stehen, dass universelle moralische Gesetze für sie nicht gelten. Aber fordert der Staat Israel nicht tatsächlich von der Welt eine solche Ausnahme von den menschlichen Normen im Namen des jüdischen Kollektivs? Und wenn ja, kann man ihm dann die Erinnerung an den Holocaust anvertrauen oder Zeremonien abhalten, die nicht durch den Makel jüdischer Überlegenheit und Fremdenfeindlichkeit befleckt sind? Ich glaube, das kann man nicht.
In diesem Jahr müssen wir mehr denn je auf dem bestehen, was die israelische Holocaust-Industrie aus unserem Bewusstsein zu löschen versucht: die universelle Lehre des Holocaust, die einzige Lehre, die es wert ist, aus der Tragödie unseres Volkes gezogen zu werden.
„Nie wieder“ ist kein und kann kein einzigartiger Imperativ für Juden sein. Es muss eine Warnung vor allen Formen von Überlegenheitsdenken und Rassismus sein, bösartigen Krankheiten, die, wenn sie ungehindert bleiben, in unseren Herzen Wurzeln schlagen werden. Das Andenken an den Holocaust zu ehren bedeutet, sich entschlossen gegen jeden Ausdruck dieser Kräfte zu stellen, wo immer sie auftreten.
Dieses Jahr werde ich nicht für die Sirene aufstehen. Aber ich werde dem Gebot treu bleiben, das mir dieses Andenken auferlegt hat: niemals zu vergessen, was menschlicher Hass, Überlegenheitsdenken, Gleichgültigkeit und Ignoranz hervorbringen können, und niemals aufzuhören, sie zu bekämpfen.
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Orly Noy ist Redakteurin bei Local Call, politische Aktivistin und Übersetzerin von persischer Lyrik und Prosa. Sie ist Vorsitzende des Vorstands von B’Tselem und Aktivistin der politischen Partei Balad. In ihren Texten beschäftigt sie sich mit den Schnittstellen, die ihre Identität als Mizrahi, als linke Frau, als Frau, als vorübergehende Migrantin inmitten einer ewigen Einwanderergemeinschaft definieren, sowie mit dem ständigen Dialog zwischen diesen Identitäten. Wenn du glaubst, dass diese Geschichten wichtig sind, Für alle, denen die Menschen zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer am Herzen liegen, |