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Di 06.03.12
20 h
Bern, Le Cap (Französische Kirche), Nicolas Manuel-Saal, Predigergasse 3
Marlène Schnieper Nakba – die offene Wunde
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| Wie gut ist "Tachles" über Israel informiert?
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Hier der Untertitel |
In Ihrem Artikel über den Vortrag von Elias Davidson zitierte Frau R. Manetsch in "Tachles" 13.12.2002 aus den Notizen von einem Herrn Livschitz, der dem Vortrag beiwohnte: "der Referent behauptete, in Israel werde eine politische Kommission beschäftigt, in der unter anderem Gynäkologen diskutieren, wie die Geburtenrate der Juden erhöht, und gleichzeitig jede der Araber gesenkt werden könne." Darüber empören sich Manetsch und Livschitz.
Nun, Tatsache ist: im September 2002 wurde der 1967 gegründete, doch während der letzten 36 Jahren selten wirklich aktives "Israels Öffentlicher Rat für Demographie" (Israel's Public Council for Demography) reaktiviert. Der Initiator dazu ist Shlomo Benizri, Minister für Arbeit und Soziale Angelegenheiten und ein Mitglied der konservativ-religiösen Shas Partei. Der Rat besteht aus 37 Mitgliedern, darunter prominente Gynäkologen, Demographen, Vertreterinnen der Frauen, etc. Alles Juden, bis auf ein Druze. Die arabische Minderheit Israels (19 % der Bevölkerung) ist also in diesem Rat nicht vertreten!
Das erklärte Ziel dieser Institution ist, "den jüdischen Charakter von Israel zu schützen" (1) Namentlich erklärte Benizri "Wir (die Juden) sind die Mehrheit in diesem Land und haben das Recht, unser Image und das Bild des jüdischen Staates zu schützen, und also das jüdische Volk zu schützen (2). Im Vorfeld der Sitzung von September wurde die Plattform des Rates durch die Abgeordnete Yael Dayan angegriffen, welche Benizri vorwarf, den Frauen von Israel den Auftrag zu verpassen, im Interesse des Staates Kinder zu gebären (Benizri ist ein notorischer Gegner der Abortion).
Das zweite Thema waren die wachsende Zahl von Mischehen zwischen Israelis und den Fremdarbeitern. Im Kontext des "Schutz des jüdischen Charakters von Israel" ist es unnötig zu präzisieren, mit welcher Optik diese Mischehen angeschaut werden. Sicher ist das Ziel keine Förderung der Mischehen!
Wie begeistert der Rat mit dem Ziel des "Schutz des jüdischen Charakter des Staates" über die bekanntlich höhere Geburtenrate der Israelis arabischer Nationalität sind, versteht von sich. Adalah, das Zentrum für die Verteidigung der Rechte der arabischen Minderheit in Israel protestierte gegen das Wiederbeleben des Rates für Demographie mit der Bemerkung, dass "der Staat gemäss dem Prinzip der Gleichheit aller Bürger handeln muss, also keine Grund hat, nur die Geburtsrat der Juden steigern zu wollen" (3). In der folgenden Diskussion betonte die Abgeordnete Zahava Gal-On (ein kritisches Mitglied des Rates), dass "die Annahme diskriminierender Gesetze mit dem Ziel, die arabische Bevölkerung zu reduzieren, für sie nicht überraschend käme" (3).
Ganz offen spricht es der Kommentator von Haaretz Gideon Levy (2): "Werden die Gynäkologen Methoden vorschlagen, um die jüdische Geburtsrate zu steigern und Aborte zu verhindern, oder werden sie auch Techniken vorschlagen, um die Geburtsrate der arabischen Frauen zu reduzieren? Und was ist mit den aus der früheren Sowjetunion immigrierten Nicht-jüdischen Frauen?" (2)
Viele Kommentatoren unterstreichen, dass das Wiederbeleben des "Rates für Demographie" ein Versuch der in Israel herrschenden Rechten Regierung ist, die höhere Geburtsrate der arabischen Minderheit als eine Bedrohung darzustellen und die Juden dagegen zu mobiliseren. Der Kommentator von Haaretz schliesst seinen Artikel mit den Worten: "Der einzige Weg, den jüdischen Charakter des Staates Israels zu schützen ist, die Okkupation zu beenden" (..) Das Wieder-beleben der Kommission ist ein schlechter Omen"
Und, wie man sieht, so ganz realitätsfremd ist das, was Elias Davidson in Zürich gesagt hat, nicht!
Louie Wyler
1) "Benizri reconvenes long dormant Council on demography today" by Ruth Sinai, Haaretz, 2.1.2003
2) "Wombs in the service of the state? by Gideon Levy, Haaretz, 9.9.2002
"Birth of a nation?, by Meirav Sarig, Haaretz, October 2002
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