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Di 06.03.12
20 h
Bern, Le Cap (Französische Kirche), Nicolas Manuel-Saal, Predigergasse 3
Marlène Schnieper Nakba – die offene Wunde
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| Communiqué zur Mahnwache an den Literaturtagen Solothurn
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11.Mai 2002 |
Zur Erinnerung an die Zerstörung der Heimat der Palästinenserinnen und Palästinenser.
Wir erinnern an den "Nakba"-Tag, 15.5 1948, den Katastrophentag der palästinensischen Bevölkerung
Was sich Israel heute an Staatsterror erlaubt, ist den palästinensischen Opfern nicht neu. Wer heute darüber erstaunt ist, zu was Israel fähig ist, kennt entweder die Geschichte dieses Staates nicht oder ignoriert sie unter der Last der eigenen anti-jüdischen Geschichte. Was Sharon heute unter Ermunterung der amerikanischen Regierung an Zerstörung des Lebensraums und der Lebensgrundlagen der palästinensischen Bevölkerung sich erlaubt, taten die Väter der Judenstaat vom ersten Moment an.
Wir blenden zurück auf die Anfänge:
Im Jahr 1947 entschied sich die UNO (damals von westlichen wie östlichen europäischen Mächten dominiert) willkürlich, das Land Palästina in zwei Staaten zu teilen, ohne dessen arabische Bewohnerinnen und Bewohner (die AraberInnen waren die legitimen Eigentümer von 93% des Landes*) über ihre Meinung zu befragen. Damit beging die UNO eine beispiellose kollektive Menschenrechtsverletzung. Die arabische Bevölkerung Palästinas verweigerte diese Missachtung ihres Selbstbestimmungsrechts und leistete Widerstand gegen der Zerreissung ihres Landes, was auch aus heutiger Sicht verständlich ist. Jüdische Terrororganisationen stützten sich auf den UNO-Teilungsplan, um ihren Staat gewaltsam durchzusetzen, und nutzten die Verweigerung der Araberinnen und Araber aus, um die von der UNO vorgesehenen Grenzen zu erweitern. Es gelang ihnen, mit militärischer Hilfe mehrerer europäischer Länder, 78% des Landes zu erobern. Dem Vater des neuen, auf Terror gegründeten Staates Israel, Ben-Gurion, gelang es nach mehreren Massakern und einer gut durchdachten psychologischen Kriegsführung, 750 000 PalästinenserInnen aus ihren Dörfern und Städten zu vertreiben. Er zerstörte per Dekret 418 palästinensische Dörfer und Städte, um die Rückkehr der ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner zu verhindern. Damit war der Judenstaat, "der Schutzwall gegen die Barbarei", wie ihn der Vater des Zionismus, Herzl, vorgesehen hatte, errichtet.
"Ein Volk ohne Land" richtet sich "auf einem Land ohne Volk" seinen Staat ein, um Herzl zu zitieren So schienen es die zionistischen Eroberer zu sehen. Die Palästinenser interpretieren die Geschichte anders: Der Judenstaat wurde auf ihrem ethnisch gesäuberten Land errichtet, das sie immer bewohnt, bebaut und bewirtschaftet haben.
Ganz Europa klatschte dem neuen Staat Beifall, Regierungen, Parteien, Gewerkschaften, Medien, Schulen, einfache Menschen und insbesondere Kulturschaffende wie Literaten waren angesichts der zur Schau gestellten Pionierleistungen verblendet ? allen voran der von Israel begeisterte grosse Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt. Ganz Europa verhalf Israel angesichts der Last der eigenen anti-jüdischen Geschichte und der Shoah dazu, das zu werden, was es heute ist: ein rassistischer Apartheidstaat.
Wir rufen hier die Kulturschaffenden der Schweiz, allen voran die Literatinnen und Literaten und insbesondere jene, die sich für die Aufarbeitung und Wiedergutmachung des Unrechts eingesetzt haben, das die Schweiz den Juden/Jüdinnen angetan hat, auf, nicht mehr länger zu schweigen angesichts des Unrechts, das den PalästinenserInnen durch den Staat Israel seit 54 Jahren widerfährt. Dies um so mehr, als die "Nakba" eine indirekte Folge der Jahrhunderte alten europäischen Judenverfolgung und speziell der Nazigräuel ist. Das Schweigen über das anhaltende israelische Verbrechen verringert die Hoffnung der Palästinenserinnen und Palästinenser und führt zur unermesslichen Eskalation der Gewalt und entsprechend des Leides beider Völker.
Ein Frieden im Nahen Osten kann mit dem Abzug der Israelis aus den 1967 besetzten Gebieten Palästinas beginnen; damit ist jedoch noch kein gerechter Frieden erreicht. Israel muss das unermessliche Leid, das es den Palästinenserinnen und Palästinensern schon 1948 angetan hat, anerkennen und die Konsequenzen daraus ziehen. Kulturschaffende wie Literaten sollen ihren diesbezügliche Verantwortung wahrnehmen und helfen, den öffentlichen Druck auf Israel durch klare Verurteilung seiner Politik zu erhöhen.
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